


Heute ist Dienstag, ich liege mit meinem
lieben Frauchen am Strand von Playa del Ingles, genieße die Sonne und so
langsam tritt die gewünschte Erholung ein, nach dem wir vor etwas mehr als zwei
Tagen noch das Schlampenfest in Düsseldorf besuchten. Meine mitgebrachten
Zeitschriften hab ich ausgelesen und nun hock’ ich hier auf der Liege und tippe
auf meiner Handytastatur meine Memuaren. *grins* Ja nun, so weit iss’es zum
Glück noch net, aber wenn ich mich hier so liegen sehe und an die letzten
vergangenen Jahre denke, bewegt es mich doch irgendwie, was soll's, ich schreib
einfach mal...
Was war ich früher doch für 'ne Pfeife...
So 'nen richtiger "Schisser" wenn ihr versteht was ich meine. Hab
mein Dasein verleugnet, einen Mann durch und durch "simuliert" wie es
von der Gesellschaft vorgegeben zu sein schien. Oder war ich einfach noch nicht
bereit zu mir selbst zu stehen? Weiß der Geier, jedenfalls ist es im nach hinein
betrachtet verschenkte Zeit gewesen. Oder auch nicht? Vielleicht brauchte ich
auch die Zeit um mich zu entwickeln und zu meinem wahren ich zu stehen. Mit
etwas Abstand betrachtet lässt es sich heute leichter sagen dass ich meine
urtypische Männerrolle damals nicht so gut gespielt habe. Ein Freund von mir
sagte mir seinerzeit, als ich mich bei ihm outete, dass er immer gewusst hätte dass
bei mir die Uhr etwas anders tickt als bei dem durchschnittlichen Mann. Der
Schlüssel war dann wohl, als ich ihm von meinem Doppelleben erzählte und für
ihn endlich klar wurde warum ich nicht nach seinen Idealen lebte. Zum einen tat
es ihm etwas weh als er davon erfuhr, zum anderen waren die vielen Jahre
Freundschaft die uns verbunden haben. Er meinte nur dass es OK für ihn ist und
keine Gefahr für unsere Freundschaft bestünde, da ich ja derselbe Mensch wie
vorher geblieben bin. Recht hat er! Nur mir selbst war das früher nie bewusst. Das
Leben kann so toll sein, wenn man nur
versucht es so zu leben wie man es möchte. Zur Zeit meines Outings gegenüber
meiner damaligen Freundin und heutigen Frau bin ich mir keineswegs sicher
gewesen welche Formen mein Leben mal annehmen wird. Ich wusste wohl dass sich daran
etwas ändern musste, da ich zu jener Zeit innerlich daran zerbrochen wäre. Also
musste es raus….

Mein Outing war rückblickend vielleicht
weniger spektakulär, woran es gelegen hat ist schwer zu sagen. Möglicherweise
ist es auch schon zu lange her um die Gefühle und Ängste die ich damals
durchlabt habe auszudrücken. Sicherlich sind in jener Nacht Tränen geflossen,
es wurde viel geredet, doch vielleicht war es gerade das viele Reden, das uns
damals geholfen hat die Situation zu meistern. Es war sicherlich sinnvoll im
Internet Informationen zu sammeln über andere outings, doch ein Patentrezept
gibt es halt nun mal nicht. Zumal es damals noch nicht all zu viele Seiten von
Tranny’s und/oder deren Angehörige im Netz gab….
So gingen einige Monate ins Land, etwa ein
Jahr nach meinem Outing heirateten wir und ich konnte seither immer offen mit
meinem lieben Frauchen über alles was mich bedrückte reden. Das war und ist mir
sehr wichtig. So konnte ich rückblickend eine Entwicklung feststellen, die mir Freunde
und Familie erstmals ermöglicht haben, nachdem eine „Outingwelle“ quer durch
meinen Familien - und Freundeskreis raste. Sicherlich erzählte ich Anfangs nur
auserwählten Leuten von meinem Doppelleben. Doch irgendwann wusste es halt
jeder. Ob der Spruch "ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's völlig
ungeniert" mir einen Nachteil beschert, machte mir anfangs echt Sorgen.
Doch es kam alles ganz anders. So wie ich es am Anfang geschildert habe ist es
auch weiterhin verlaufen. Normal eben. Was ist eigentlich normal? Aus meiner
Sicht empfinde ich zunächst alles was
ich so tu’ und mache als normal. Die Anderen sind doch anders! *gg*
Auch wenn mal eine abfällige Bemerkung von Seiten stupid erzogener Mitmenschen kommt wie z.B. "das ist ja widerlich!" sehe ich dass widerliche in den Köpfen der Menschen die derartigen Gedankenmüll von sich geben. Kein Grund sich darüber aufzuregen, bei einigen Leuten ist der Horizont halt dort zu Ende wo das Leben erstmal richtig anfängt interessant zu werden. Ach, egal, ich genieße jetzt und hier die sonne….

Jetzt haben wir schon Donnerstag und
übermorgen ist die schöne Zeit hier auf Gran Canaria wieder vorbei. Grund genug
für mich noch mal Gas zu geben, dachte ich gestern Abend. Den Wecker gestellt
und heut früh um halb 7 war die Nacht vorbei. Gegen halb 8 sind wir durch die
Dünen Richtung Strand gelaufen und haben den Tag mit einem Fotoshooting
begonnen. Der Himmel war leicht bewölkt und ein lauwarmer Wind wehte aus
Richtung Afrika herüber. Einen Jeansmini und ein kurzes Top fand ich für
passend auf dem Weg zum Meer. Einige Jogger waren bereits am feinen Sandstrand
unterwegs, die ersten Urlauber begannen auf denen am Strand stehenden Liegen
ihr Tagesquartier zu beziehen. Einige haben von mir Notiz genommen, andere
waren einfach nur mit sich selbst beschäftigt. So wirklich bekomme ich das gar
nicht mit, ich fühl mich jedenfalls nicht mehr so beobachtet wie es vor einigen
Jahren noch der Fall war. Am Strand angekommen entledigte ich mich meiner
Garderobe und stürzte mich waghalsig in die Fluten. Mein Frauchen hatte längst
die Kamera gezückt und begann wie wild zu fotografieren. Ich genoss es mich in
den Wellen zu räkeln. So ganz allmählich entdeckten auch einige Familien mit Kindern
den von mir genutzten Strandabschnitt für sich. Es war an der Zeit das Wasser
langsam wieder zu verlassen. Ich nutzte eine kleine menschenleere Lücke um zu
meinem am Strand liegenden Handtuch zu gelangen. Ist klar - am frühen Morgen
wollen wir ja niemanden schockieren mir irgendwelchen anatomischen
Ungereimtheiten unterhalb der Gürtellinie. *Zwinker*
Ein Weilchen haben wir noch am Strand und
in den Dünen verbracht bevor wir wieder zum Hotel geschlendert sind. Jetzt
schmeckte das Frühstück auf dem Balkon doppelt so gut. Einer unserer Urlaubsbekanntschaften,
ein Mann reiferen alters, war bereits im Pool am schwimmen, vielleicht etwas
unkoordiniert, muss wohl eine Nachwirkung vom Vorabend gewesen sein. Er blickte
um sich und sah uns auf dem Balkon. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht rief
er lautstark mit seinem schwäbischen Dialekt nach oben "Sammy, heute Abend
bist du fällig". Ich lachte, die Köpfe der Urlauber begannen sich hektisch
zuerst in seine, dann in meine Richtung zu drehen. Spätestens jetzt hat der
Rest der verbleibenden Leute hier im Hotel mitbekommen das ’nen sonnensüchtiger
Tranny nicht nur den Hotelpool mit ihnen teilt. So kann's gehen...
Manchmal ist der Sprung ins kalte Wasser
wirklich das Beste, so lang man im Kopf so einigermaßen klar ist und die Folgen
abwägen kann.
Ein gewisses Gefühl von Gleichgültigkeit,
verbunden mit etwas Stolz anders zu sein macht sich dann in mir breit, eine
gewisse Normalität wie ich sie vielleicht parralel aus dem "Männerleben
" kenne, Situationen zu meistern und den Umgang mit dem Alltag zu erleben.
Der Kick im Fummel draußen herum zu laufen hat sich relativiert. Leben, einfach
nur "LEBEN", ein Wort das doch alles in sich trägt. Die Guten und die
weniger schönen Sachen des Alltags. Wir alle sind doch irgendwo nur kleine Puzzelteile
und je intensiver wir leben umso näher rücken wir mit der Gesellschaft
zusammen, Stück für Stück. Normalität ist eine Sache der Sichtweise, vielleicht
ist es normal ein "Unnormalo" zu sein oder auch umgegehrt. *gg*









