Die kleine Geschichte hab ich nachträglich hier eingefügt, nachdem sie in der Gendertime Ausgabe vom Januar 2008 bereits abgedruckt wurde.....

Heute ist Dienstag, ich liege mit meinem lieben Frauchen am Strand von Playa del Ingles, genieße die Sonne und so langsam tritt die gewünschte Erholung ein, nach dem wir vor etwas mehr als zwei Tagen noch das Schlampenfest in Düsseldorf besuchten. Meine mitgebrachten Zeitschriften hab ich ausgelesen und nun hock’ ich hier auf der Liege und tippe auf meiner Handytastatur meine Memuaren. *grins* Ja nun, so weit iss’es zum Glück noch net, aber wenn ich mich hier so liegen sehe und an die letzten vergangenen Jahre denke, bewegt es mich doch irgendwie, was soll's, ich schreib einfach mal...


Was war ich früher doch für 'ne Pfeife... So 'nen richtiger "Schisser" wenn ihr versteht was ich meine. Hab mein Dasein verleugnet, einen Mann durch und durch "simuliert" wie es von der Gesellschaft vorgegeben zu sein schien. Oder war ich einfach noch nicht bereit zu mir selbst zu stehen? Weiß der Geier, jedenfalls ist es im nach hinein betrachtet verschenkte Zeit gewesen. Oder auch nicht? Vielleicht brauchte ich auch die Zeit um mich zu entwickeln und zu meinem wahren ich zu stehen. Mit etwas Abstand betrachtet lässt es sich heute leichter sagen dass ich meine urtypische Männerrolle damals nicht so gut gespielt habe. Ein Freund von mir sagte mir seinerzeit, als ich mich bei ihm outete, dass er immer gewusst hätte dass bei mir die Uhr etwas anders tickt als bei dem durchschnittlichen Mann. Der Schlüssel war dann wohl, als ich ihm von meinem Doppelleben erzählte und für ihn endlich klar wurde warum ich nicht nach seinen Idealen lebte. Zum einen tat es ihm etwas weh als er davon erfuhr, zum anderen waren die vielen Jahre Freundschaft die uns verbunden haben. Er meinte nur dass es OK für ihn ist und keine Gefahr für unsere Freundschaft bestünde, da ich ja derselbe Mensch wie vorher geblieben bin. Recht hat er! Nur mir selbst war das früher nie bewusst. Das Leben kann so toll sein,  wenn man nur versucht es so zu leben wie man es möchte. Zur Zeit meines Outings gegenüber meiner damaligen Freundin und heutigen Frau bin ich mir keineswegs sicher gewesen welche Formen mein Leben mal annehmen wird. Ich wusste wohl dass sich daran etwas ändern musste, da ich zu jener Zeit innerlich daran zerbrochen wäre. Also musste es raus….

 

Mein Outing war rückblickend vielleicht weniger spektakulär, woran es gelegen hat ist schwer zu sagen. Möglicherweise ist es auch schon zu lange her um die Gefühle und Ängste die ich damals durchlabt habe auszudrücken. Sicherlich sind in jener Nacht Tränen geflossen, es wurde viel geredet, doch vielleicht war es gerade das viele Reden, das uns damals geholfen hat die Situation zu meistern. Es war sicherlich sinnvoll im Internet Informationen zu sammeln über andere outings, doch ein Patentrezept gibt es halt nun mal nicht. Zumal es damals noch nicht all zu viele Seiten von Tranny’s und/oder deren Angehörige im Netz gab….

 

So gingen einige Monate ins Land, etwa ein Jahr nach meinem Outing heirateten wir und ich konnte seither immer offen mit meinem lieben Frauchen über alles was mich bedrückte reden. Das war und ist mir sehr wichtig. So konnte ich rückblickend eine Entwicklung feststellen, die mir Freunde und Familie erstmals ermöglicht haben, nachdem eine „Outingwelle“ quer durch meinen Familien - und Freundeskreis raste. Sicherlich erzählte ich Anfangs nur auserwählten Leuten von meinem Doppelleben. Doch irgendwann wusste es halt jeder. Ob der Spruch "ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's völlig ungeniert" mir einen Nachteil beschert, machte mir anfangs echt Sorgen. Doch es kam alles ganz anders. So wie ich es am Anfang geschildert habe ist es auch weiterhin verlaufen. Normal eben. Was ist eigentlich normal? Aus meiner Sicht  empfinde ich zunächst alles was ich so tu’ und mache als normal. Die Anderen sind doch anders! *gg*

Auch wenn mal eine abfällige Bemerkung von Seiten stupid erzogener Mitmenschen  kommt wie z.B. "das ist ja widerlich!" sehe ich dass widerliche in den Köpfen der Menschen die derartigen Gedankenmüll von sich geben. Kein Grund sich darüber aufzuregen, bei einigen Leuten ist der Horizont halt dort zu Ende wo das Leben erstmal richtig anfängt interessant zu werden. Ach, egal, ich genieße jetzt und hier die sonne….

 

Jetzt haben wir schon Donnerstag und übermorgen ist die schöne Zeit hier auf Gran Canaria wieder vorbei. Grund genug für mich noch mal Gas zu geben, dachte ich gestern Abend. Den Wecker gestellt und heut früh um halb 7 war die Nacht vorbei. Gegen halb 8 sind wir durch die Dünen Richtung Strand gelaufen und haben den Tag mit einem Fotoshooting begonnen. Der Himmel war leicht bewölkt und ein lauwarmer Wind wehte aus Richtung Afrika herüber. Einen Jeansmini und ein kurzes Top fand ich für passend auf dem Weg zum Meer. Einige Jogger waren bereits am feinen Sandstrand unterwegs, die ersten Urlauber begannen auf denen am Strand stehenden Liegen ihr Tagesquartier zu beziehen. Einige haben von mir Notiz genommen, andere waren einfach nur mit sich selbst beschäftigt. So wirklich bekomme ich das gar nicht mit, ich fühl mich jedenfalls nicht mehr so beobachtet wie es vor einigen Jahren noch der Fall war. Am Strand angekommen entledigte ich mich meiner Garderobe und stürzte mich waghalsig in die Fluten. Mein Frauchen hatte längst die Kamera gezückt und begann wie wild zu fotografieren. Ich genoss es mich in den Wellen zu räkeln. So ganz allmählich entdeckten auch einige Familien mit Kindern den von mir genutzten Strandabschnitt für sich. Es war an der Zeit das Wasser langsam wieder zu verlassen. Ich nutzte eine kleine menschenleere Lücke um zu meinem am Strand liegenden Handtuch zu gelangen. Ist klar - am frühen Morgen wollen wir ja niemanden schockieren mir irgendwelchen anatomischen Ungereimtheiten unterhalb der Gürtellinie. *Zwinker*

Ein Weilchen haben wir noch am Strand und in den Dünen verbracht bevor wir wieder zum Hotel geschlendert sind. Jetzt schmeckte das Frühstück auf dem Balkon doppelt so gut. Einer unserer Urlaubsbekanntschaften, ein Mann reiferen alters, war bereits im Pool am schwimmen, vielleicht etwas unkoordiniert, muss wohl eine Nachwirkung vom Vorabend gewesen sein. Er blickte um sich und sah uns auf dem Balkon. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht rief er lautstark mit seinem schwäbischen Dialekt nach oben "Sammy, heute Abend bist du fällig". Ich lachte, die Köpfe der Urlauber begannen sich hektisch zuerst in seine, dann in meine Richtung zu drehen. Spätestens jetzt hat der Rest der verbleibenden Leute hier im Hotel mitbekommen das ’nen sonnensüchtiger Tranny nicht nur den Hotelpool mit ihnen teilt. So kann's gehen...

 

Manchmal ist der Sprung ins kalte Wasser wirklich das Beste, so lang man im Kopf so einigermaßen klar ist und die Folgen abwägen kann.

Ein gewisses Gefühl von Gleichgültigkeit, verbunden mit etwas Stolz anders zu sein macht sich dann in mir breit, eine gewisse Normalität wie ich sie vielleicht parralel aus dem "Männerleben " kenne, Situationen zu meistern und den Umgang mit dem Alltag zu erleben. Der Kick im Fummel draußen herum zu laufen hat sich relativiert. Leben, einfach nur "LEBEN", ein Wort das doch alles in sich trägt. Die Guten und die weniger schönen Sachen des Alltags. Wir alle sind doch irgendwo nur kleine Puzzelteile und je intensiver wir leben umso näher rücken wir mit der Gesellschaft zusammen, Stück für Stück. Normalität ist eine Sache der Sichtweise, vielleicht ist es normal ein "Unnormalo" zu sein oder auch umgegehrt. *gg*






  



der nächste Tag - Unterwegs zum Strand






                                         

               


 

               










             




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